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Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die sich in einer familiären Notsituation befinden ist seit Jahren stark gestiegen.

Foto: ddp

15. Oktober 2008

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15. Oktober 2008

Notrufsystem in Familienkrisen

Wermelskirchen (RP) – Die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land übernimmt die Rufbereitschaft nach Dienstschluss und am Wochenende fürs Jugendamt. Damit ist in Krisensituationen immer ein kompetenter Ansprechpartner vor Ort.

Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die sich in einer familiären Notsituation befinden und auch die Polizei oder das Jugendamt um Hilfe anrufen, ist seit Jahren stark gestiegen. Um auch außerhalb der Dienstzeit des Jugendamtes eine fachliche Betreuung zu garantieren, ist jetzt ein Notrufsystem eingerichtet worden. Tagsüber ist das Jugendamt Ansprechpartner, außerhalb der Dienstzeiten (und vor allem nachts und am Wochenende) ab sofort die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land.

Ob zerrüttete Familienverhältnisse, Gewalt gegenüber den Eltern oder den Kindern, aber auch zunehmender Alkoholgenuss, der zur Eskalation in der Familie führt – irgendwann läuft das Fass über. In aller Regel wird – entweder von der Familie selbst oder von Nachbarn – die Polizei gerufen. Um Minderjährige zu schützen, wird sofort das Jugendamt eingeschaltet. Die Fachleute versuchen, das aktuelle Problem zu lösen. Müssen Kinder und Jugendliche vor Eltern geschützt werden, entscheiden dies die Mitarbeiter des Jugendamtes.

Immer häufiger aber auch, so berichtet Jugendamtsleiterin Birgit Ludwig-Schieffers, rufen auch Kinder oder Jugendliche selbst bei der Polizei an. Weil sie Hilfe brauchen. Tagsüber kein Problem. Aber inzwischen häufen sich die Anrufe außerhalb der Dienstzeit. Die Stadtverwaltung spricht von acht akuten Fällen im ersten Halbjahr, die nachts oder am Wochenende entschieden werden mussten. „In den vergangenen sieben Jahren zusammen hatten wir nur zehn Anrufe aus Krisensituationen außerhalb der Dienstzeit“, so die Amtsleiterin.

Miteinander wird schwieriger

Dass das Miteinander immer schwieriger wird, zeigt eine weitere Zahl: 24 Kinder und Jugendliche wurden bis Ende Juli aus den Familien genommen und in Obhut einer Familienpflegestelle oder – bei Kindern über sieben Jahren – in Einrichtungen der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land untergebracht. Im gesamten Jahr 2007 waren es 21 Fälle.

Für ein Jahr nun hat die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land testweise die Rufbereitschaft übernommen. Für die Wahrnehmung zahlt die Stadt der Jugendhilfe monatlich 925 Euro.

 

„Die Inobhutnahme ist nur der letzte Schritt“

Silke Gaube (Prokuristin und Bereichsleiterin Heilpädagogik und besondere Wohnformen), Verwaltungsleiter Jörg Löwe und Markus Emonts (Bereichsleitung Regelgruppen und Verselbständigung) von der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land übernehmen im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung die Rufbereitschaft außerhalb der Dienstzeiten der Stadtverwaltung. Sie sind damit die ersten Ansprechpartner in Krisensituationen für die Polizei. Und sind auch verantwortlich für die weitere Vorgehensweise.

Im kurzen Pressegespräch erklärten die drei Mitarbeiter der Jugendhilfe-Geschäftsführung, dass es nicht „den“ Grund für eine überlastete Familiensituation gebe. Das habe das Tagesgeschäft längst gezeigt. Silke Gaube nannte ein Beispiel, warum es vielleicht in einer Familie eskalieren könnte: „Ob ADHS oder Kinder in einer pubertierenden Phase – das kann schon mal den Rahmen sprengen. Da sind Eltern auch mal überfordert.“ Aber jeder Fall habe immer auch eine (Vor-)Geschichte. Auch Emonts berichtet, dass zunehmend psychische Belastungen, ja Erkrankungen zu überlasteten Familiensituationen führten.

Trotz, Verunsicherung, Angst – all dies sei in Krisensituationen auch Anlass, in denen schnell einmal die Spirale überdreht sei. „Wir sehen uns dann als Ansprechpartner, um deeskalierend zu wirken. Die Inobhutnahme ist wirklich nur der letzte Schritt“, weiß Gaube.

Ziel sei, in dieser Situation Vertrauen aufzubauen – immer mit der Maßgabe, Gefahren von den Kindern und Jugendlichen abzuwenden

Von Udo Teifel