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Tanja (18) aus Wermelskirchen im Wohnzimmer ihrer Wohngruppe in der Kreuzstraße. Sie will für sich und die anderen in der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land mehr Mitbestimmung erreichen.

© Foto: X-ray

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Tanja will mitbestimmen

DABRINGHAUSEN

Tanja Herbst (18) aus Wermelskirchen redet klar und selbstbewusst. Man merkt ihr auf den ersten Blick gar nicht an, dass sie Stress mit ihrer Familie hat und deshalb in einer Wohngruppe mit einem Erzieher lebt. ,,Ich habe mich mit meinem Stiefvater nicht verstanden und bin deshalb zum Jugendamt gegangen." Vor fast zwei Jahren zog sie zu Hause aus und lebt seitdem in einer Einrichtung der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) - in der Kreuzstraße in Wermelskirchen.

Tanja will etwas bewegen. Da passt es, dass die EJBL dieses Jahr im März ein großes Mitbestimmungsprojekt für ihre Bewohner gestartet hat. Rund 76 Kinder und Jugendliche leben in Remscheid und Wermelskirchen in verschiedenen Wohngruppen der EJBL. Es wurden drei AGs gebildet. Die Jugendlichen zerbrachen sich gemeinsam mit Erziehern den Kopf darüber, wie sie mehr Mitbestimmung organisieren können. Dafür wollten sie in erster Linie das Bewusstsein der Erzieher und Bewohner verändern.

Sie haben Regeln und Ziele entwickelt. Tanja arbeitete in der ,,AG Rechte" mit. Diese kümmerte sich um neun Rechte wie Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht. Unter anderem letzteres liegt Tanja am Herzen. ,,Ich habe das Recht auf Privatsphäre", schreiben die Bewohner in einem Rechte-Katalog. Dazu gehören nicht nur ein eigenes Zimmer und das Recht darauf, dass private Telefonate nicht öffentlich werden. Dazu gehört auch das Recht auf einen eigenen Geschmack (Frisur, Kleidung, Schmuck).

Tanja ist es zum Beispiel wichtig, dass keiner in ihr Zimmer kommt, ohne zu fragen. Das sei bislang nicht immer so. Sie wohnt mit acht anderen Mädchen ab 16 Jahren in einem Fachwerkhaus. Außerdem ist es Tanja wichtig, dass die Jugendlichen gefragt werden, bevor etwas für die Wohngruppe angeschafft wird. ,,Letztens haben die Erzieher Vorhänge gekauft. Dabei hätten wir viel eher eine Couch gebraucht", erzählt Tanja. Die Vorhänge wollte gar keiner. Vieles habe sich mit dem Projekt aber schon verbessert. ,,Einige Erzieher waren erst kritisch eingestellt. Vielleicht hatten sie Angst, dass nur noch die Jugendlichen bestimmen." Sie haben ihre Meinung geändert.

Besonders leuchten Tanjas Augen, wenn sie von drei Veranstaltungen erzählt, die die Jugendlichen in diesem Jahr mitorganisiert haben. Sie wehrten sich dagegen, am ersten Maitag wie traditionell eine Wanderung zu machen. Letztlich gingen alle zusammen ins Kino. Dann kam im September das große Sommerfest. Die Bewohner wollten eine Beach-Party. Also wurde haufenweise Sand angekarrt. Und zuletzt die Weihnachtsfeier. Auch hier sagten die Jugendlichen, was sie wollten und gestalteten das Ganze mit.

Tanja, die die 12. Klasse eines Berufskollegs in Leverkusen besucht, hat viel Zeit in das Projekt gesteckt. Aber sie sagt: ,,Es hat total viel Spaß gemacht." Sie setzt sich gerne für andere Leute ein: ,,Reden und meckern kann jeder, aber aktiv zu werden, trauen sich viele nicht. Da dachte ich, dann setze ich mich für die Leute ein."

Im nächsten Jahr will Tanja ausziehen. ,,Ich suche gerade eine eigene Wohnung." Auch dann wird sie noch von der EJBL betreut werden. Sozial engagieren will sich Tanja auch beruflich: ,,Ich möchte soziale Arbeit studieren."

Das Projekt:

Drei Arbeitsgruppen haben sich damit auseinandergesetzt, wie Mitbestimmung in der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land funktionieren kann. Es gibt jetzt schon viele Aspekte, die das Mitmachen ermöglichen, wie Gruppensprecher und Gruppenabende. Doch jede Gruppe ging bisher ihren eigenen Weg. Das Projekt zielt darauf ab, die Mitbestimmung verbindlich zu regeln. Außerdem soll das Verantwortungsgefühl aller Beteiligten gestärkt werden. Ziel ist es, dass die Interessen der Bewohner geachtet werden, dass sie sich beschweren können, dass sie bei Aktionen mitwirken und bei Entscheidungen mitreden können.

Von Felix