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Die Arbeit ist schwieriger geworden, aber sie ruht weiter in kompetenten Händen: Günter Jäckle ist von seiner langjährigen Stellvertreterin Silke Gaube als Heimleitung abgelöst worden.

Foto: Herbert Draheim

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31. Dezember 2012 – rga.Online

Die Zielgerade fürs Leben finden

Günter Jäckle ist mit 63 Jahren in Rente gegangen. Die Verwaltung der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) hat mit Silke Gaube eine neue Leiterin. Im Gemeindehaus Hünger verabschiedete das Diakonische Werk, der EJBL-Träger, den Geschäftsführer (seit 1. Juli 1983), welcher seinerzeit Am Vogelsang im Kreiskinderheim Holger Witthinrich abgelöst hatte.

Und es hat Silke Gaube, seit 26 Jahren zunächst Stellvertreterin, das vierte Kronenkreuz in der EJBL-Geschichte verliehen. Superintendent Hartmut Demski übergab die hohe Auszeichnung. Gaube hatte am 1. Januar 1987 im Kreiskinderheim angefangen, damals im "Meisenhaus".

Als Günter Jäckle zum Kreiskinderheim kam, war das eine andere Zeit. Das Konzept war Hauseltern bzw. Familie, weshalb es ursprünglich nur alle sechs Wochen ein freies Wochenende gab, später alle vier, öfter nicht. Es gab keine eigene Wohnung. Immer waren Kinder dabei, nicht nur die eigenen.

Ziel ist es, die Kinder in ihre originäre Familie zurückzugeben

Während früher Mitglieder einer Familie bisweilen komplett ins Heim kamen und viel länger blieben, ist an diese Stelle eine andere Philosophie gerückt: das Ziel, die Kinder zurückzugeben in ihre originäre Familie.

Heute ist das Problem eher der Personalschlüssel. "Der Stellenplan passt vorne und hinten nicht", sagen Silke Gaube und Günter Jäckle wie aus einem Mund.

Dringend sei das EJBL auch auf Spenden angewiesen, appelliert die Geschäftsführerin an heimische Unternehmer. Als Beispiel nennt sie das Projekt "Rad und Tat". Zweimal sind Kinder bzw. Jugendliche während der "Tour de France" von Wermelskirchen nach Paris gefahren – "und ganz anders wiedergekommen, als sie hingefahren sind", begeistert sich Gaube.

"Wer da mitgemacht hat, hat auch für sein Leben eine Zielgerade." Ob aber im Herbst 2013 wieder die Vorbereitungen starten für die dritte "Tour de France" 2014 - steht noch in den Sternen.

"Früher waren Kinderheime eine Beheimatung, heute sind sie eine begleitende Hilfe"

Silke Gaube, Geschäftsführerin

 

Der Pensionär wird sich im Mai 2013 von der französischen Partnerstadt Loches aus aufmachen auf den Jakobsweg und will ab dem Wintersemester 2013/14 - eingeschrieben ist er schon - Mittelhochfranzösisch in Wuppertal studieren.

"Ich denke ans Allermeiste gerne zurück", sagt er und betont das "große Glück, dass die Gesellschafterversammlung stets Vertrauen bewies". Was sich nach Jahren des Zweifels am Fortbestand ebenso auch positiv ausgedrückt hat in großer personeller Konstanz.

Und das trotz einer Entwicklung von 12 Mitarbeitern (Jahresetat 50.000 DM) Am Vogelsang in Wermelskirchen zu heute 100 Mitarbeitern und zwei Millionen Euro in der Rücklage - und vor allem von knapp zwei Dutzend zu heute 110 stationär und 40 ambulant betreuten Kindern.

"Die Arbeit wird schwieriger – materiell, aber auch als Herausforderung an sich", sagt Gaube. Sie glaubt fest an den Heimauftrag, die Kinder binnen maximal zwei Jahren "zurück in die Familie" zu bringen.

Das höchste Gut ist der
Dank von Ehemaligen

"Früher waren Kinderheime eine Beheimatung, heute sind es begleitende pädagogische Hilfen", erklärt Silke Gaube. Die Arbeit sei "aber auch komplexer geworden", zumal die Heime immer mehr Aufgaben der Jugendämter übernähmen, es viel mehr Arbeit mit den Eltern gebe, viel mehr systemisches Denken.

"Für uns ist das schönste Geschenk, wenn ein Kind in seine Familie zurückkehren kann", sagt Günter Jäckles Nachfolgerin. Ein Höhepunkt für sie sei bisweilen im Jahreskreis, wenn zu Weihnachten ein Ehemaliger schreibt: "Danke für die Hilfe, die Ihr mir und meiner Familie gegeben habt!" Das sei für sie "das höchste Gut", sagt Silke Gaube.

EJBL-Geschäftsführerin sieht in Wermelskirchen Standortvorteil

Die EJBL-Geschäftsführerin sieht in Wermelskirchen den Standortvorteil: "Wir genießen einen guten Ruf." Die größte Herausforderung sei, das Team eingedenk der hohen zeitlichen Belastungen nicht zu überfordern. Und sächlich, das Aufnahmeclearing-Zentrum räumlich unterzubringen. Eine zunächst räumlich zu lösende Aufgabe der psychosozialen Diagnostik, damit Fachmenschen sehen, was mit dem Kind ist und welche nachhaltigen Perspektiven es geben könnte.

Silke Gaube stellt heraus, dass sie auf die Mitarbeiter stolz sei, die "eine lebendige Visitenkarte" abgäben. Günter Jäckle pflichtet ihr bei: "Es ist ein Traum für mich zu wissen, dass ich die Nachfolge in so kompetente Hände übergeben kann."

Von Thomas Wintgen