Presse

1. April 2021

Eine Vollblut-Erzieherin mit Herz

Ute Biehler geht in Pension. Sie war 45 Jahre lang als Erzieherin im Waldhof bei der Evangelischen Jugendhilfe.

Remscheid. Als Ute Biehler 1975 als Jahrespraktikantin im Kinderheim „Der Waldhof“ ihre berufliche Karriere startete, da habe sie sich nicht vorstellen können, 45 Jahre zu bleiben. „Eigentlich wollte ich nämlich Polizistin werden. Und weil die Bedingung dafür damals hieß, dass man dann erst einmal einen sozialen Beruf erlernen muss, bin ich zur Käthe-Kollwitz-Schule gegangen und Erzieherin geworden“, erzählt sie. Und auch noch, als sie während ihrer Ausbildung im Kindergarten gearbeitet hatte, habe sie nur daran gedacht, so schnell wie möglich Polizistin zu werden. „Hier hältst du es nicht aus, davon war ich überzeugt“, sagt Ute Biehler und lacht.

Aber nach ihrem Praktikumsjahr wollte sie nicht mehr weggehen aus dem Waldhof. „Die Arbeit war zu dieser Zeit noch ganz anders als heute. Mit deutlich weniger Dokumentationen. Wir waren den ganzen Tag mit den Kindern zusammen. Es gab hier beispielsweise einen Swimmingpool, alle 120 Kids trafen sich im Sommer da.“

In der Großküche wurde das Essen zubereitet, die Kinder bekamen Nummern, die in die Kleidung eingenäht wurden, zweimal im Jahr gab es neue Anziehsachen. „Aber die Kinder durften sie sich nicht selbst aussuchen. Alles wurde im Handelshof gekauft. Das war grausam für die Kids, denn sie waren als Waldhofkinder erkennbar“, erinnert sich Ute Biehler.

Die Erzieherinnen wohnten ebenfalls im Waldhof, die eigenen Kinder konnten mitgebracht werden und gingen auch zur Reinshagener Volksschule. „Der damalige Leiter Herr Peukert führte ein rigides Regiment. Wenn er pfiff, guckte hier jeder, ob er etwas falsch gemacht hatte“, schildert sie, wie es früher im Waldhof zuging. Da habe auch schon einmal ein Kind mit dem Koffer an der Schranke gestanden und gesagt, dass ihre Mama sie hierher gebracht hat.

Viele schaffen es nicht bis zur Pensionierung

Bis zuletzt hat Ute Biehler in der Intensiv-Gruppe gearbeitet. Das seien die wildesten, aber auch die introvertiertesten Kinder. „Man muss die Jugendlichen kommen lassen, sich gegenseitig respektieren, Gelassenheit zeigen, erst einmal zuhören, nicht gleich alles ändern wollen“, ist die Erzieherin überzeugt.

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