19. März 2020

Jugendhilfe bleibt in der Krise stark

Leiterin Silke Gaube berichtet von Einschränkungen in den Gruppen. Aber auch von einem tollen Zusammenhalt.

Ein Bild aus schöneren Tagen: Im Wald toben sich die Gruppen oft und gern aus.

Silke Gaube und ihr Team kennen Krisen. Zwar nicht solche, mit der wir es zurzeit weltweit zu tun haben. „Aber wir sind da im Großen und Ganzen schon erprobt“, sagt Gaube. Dennoch: Gerade in den Wohngruppen der Evangelischen Jugendhilfe, in denen Kinder und Jugendliche untergebracht sind, die langfristig oder vorübergehend nicht bei ihren Eltern leben können, bedeutet die Corona-Krise mit all ihren Einschränkungen im alltäglichen Leben eine große Herausforderung.

„Bei uns dreht sich nun viel darum, wie wir einen möglichst sorgsamen Alltag vor allem für die jungen Menschen, die in unseren Wohngruppen in Wermelskirchen und Remscheid leben, gestalten können“, sagt Silke Gaube. Ein Alltag, der einerseits die gemeinsame Verantwortung im Kampf gegen Corona abbilde, aber gleichzeitig noch Platz lasse, dass die Kinder und Eltern die Zeit der Entbehrungen gut durchhalten können.

Bei allen Sorgen gebe es einen großen Zusammenhalt bei der Jugendhilfe, die alle Beteiligten stärke. „Ich habe in den letzten Tagen viel mit unseren Mitarbeitern gesprochen“, berichtet Silke Gaube. Das geschah telefonisch, denn nicht nur die Gruppen sind derzeit physisch weitgehend voneinander getrennt. „Auch wir von der Verwaltung arbeiten vielfach im Homeoffice“, sagt Gaube. Einfach, um so wenig Risiken wie möglich einzugehen.

Die Stimmen aus dem Team der Evangelischen Jugendhilfe machen Mut: „Wir müssen nun vor allem an die Kinder denken“, schreibt zum Beispiel einer der Mitarbeiter. „Es fällt ihnen schwer, zu verstehen, warum viele und tolle, geplante Besuche und Freizeitaktionen nun erst mal ausfallen. Ich gehe aber gleich mit den Kindern in den Wald. Wenn wir gut aufeinander achten, können wir trotzdem viel Spaß haben.“ Oder: „Ich denke, als junge Kollegin möchte ich mich für unsere älteren und vorerkrankten Kollegen und Kolleginnen einsetzen. Das bedeutet nun mal etwas mehr im Dienst zu sein, um andere zu entlasten. Das ist okay und selbstverständlich.“

„Viele mussten sich blitzschnell auf Zusatzdienste einstellen.“ Silke Gaube, Leiterin Evangelische Jugendhilfe

Auch bei der Jugendhilfe gebe es Mitarbeiter mit Risikofaktoren, denen das Virus vermutlich stark zusetzen würde. Sie würden im Moment besonders geschützt, zum Beispiel durch Heimarbeit. „Die anderen“, sagt Silke Gaube, „mussten sich blitzschnell auf zusätzliche Dienste einstellen, weil die Kinder und Jugendlichen ja nicht wie sonst in der Schule sind.“ Die Wohngruppen seien für die meisten Pädagogen aber, ähnlich für die jungen Bewohner, ein zweites Zuhause. „Deshalb macht ihnen die zusätzliche Zeit in den Gruppen auch nicht viel aus“, erzählt Silke Gaube.

Glücklicherweise sei am Waldhof in Remscheid gerade rechtzeitig der große Sportplatz fertig geworden. Gaube: „Den nutzen wir mit einzelnen Gruppen. Aber separiert voneinander. Dass wir uns wie sonst treffen und gemeinsame Aktivitäten starten, kommt natürlich derzeit nicht in Frage.“ Jede Gruppe bleibe für sich und würde sich so gut es gehe beschäftigen.

Handhygiene war ein Thema, das neulich anstand. „Den Kindern hat es sogar Spaß gemacht, da Neues zu lernen“, sagt die Leiterin. Sie hofft, dass die Krise rasch vorbeigeht, ist aber auch dankbar: „Natürlich weiß ich, dass wir vieles schaffen können, aber in einer solchen Ausnahmesituation eine solch souveräne, umsichtige und tatkräftige Dienstgemeinschaft zu erleben, verleiht uns eine besondere Kraft. Dafür bin ich tief dankbar.“

Von Anja Carolina Siebel, RGA-online am 18. März 2020