25. Oktober 2021

Ankommen in der Wohngruppe – „Intzi“ werden

In der Wohngruppe Intzestraße leben momentan 8 Jugendliche. Manche schon ein paar Jahre, andere sind erst vor ein paar Wochen oder Monaten eingezogen. Zwei Jugendliche, Josi und Leon (Namen geändert) erinnern sich durch ein kleines Interview an ihre erste Zeit in der Intzestraße und erzählen uns, ob sie sich jetzt als ,,Intzi’’ fühlen.

Leon ist 16 Jahre alt und geht noch zur Schule. Nächstes Jahr macht er seinen Abschluss. Er hat vorher noch nicht in einer Wohngruppe gewohnt.

– Du bist jetzt 1,5 Jahre hier. Erinnerst du dich noch an dein Ankommen?

Ja, schon. Also erstmal dachte ich schon, ich will hier gar nicht hin. Denn es war richtig ungewohnt für mich. Und es war schwer, ich habe das noch nie erlebt, wenn man in eine Wohngruppe kommt. Das war das erste Mal. Und ich hatte schon ziemlich Heimweh erstmal.

– Was war dein erster Gedanke als du dir die Wohngruppe Intzestraße angeschaut hast?

Ich fand sie schön. Hier waren aber echt Leute, die waren gar nicht in meinem Alter. Da hatte ich schon die Angst, dass ich eher weniger mit den Leuten klarkomme, Kontakt mit denen habe. Aber sonst fand ich die Gruppe eigentlich ganz schön.

– Hast du dich willkommen gefühlt, als du eingezogen bist?

Erstmal nicht. Erst nach ein paar Tagen, wo ich mich ein bisschen eingelebt habe. Davor war ich eher nur draußen und hatte erstmal Zeit für mich. Aber irgendwann hab ich die Zeit gefunden. Ich bin irgendwann einfach angekommen. Aber es hat etwas länger gedauert bei mir.

– Hast du schnell Kontakt zu den anderen Jugendlichen und den Mitarbeitenden knüpfen können und wie lange hat das gedauert?

Ich habe schon meine Zeit gebraucht. Also dieses richtige Reden hat schon was Zeit gedauert. Mit den Betreuern eher, mehr. Und vielleicht mit einzelnen von den Jugendlichen, so 1 oder 2. Aber auch erst nach einer Woche, oder so.

– Gibt es etwas was dir in der Anfangszeit gefehlt hat?

Ein (anderer) Junge. Nein, wirklich: ein Junge. Und auch Leute in meinem Alter, weil, die meisten waren ja um die 18 oder 17 und ich war noch nicht mal 16.

– Gibt es etwas was besonders schön war in der Anfangszeit?

Nee, nicht wirklich. Außer, keine Ahnung, die Betreuer waren ziemlich nett und haben versucht mir zu helfen, dass ich mich hier einleben konnte.

– Bist du mit den neuen Regeln und Abläufen hier zurechtgekommen?

 Ja, eigentlich direkt. Sofort eigentlich. Ich hab alles direkt schnell hingekriegt. Das ist eigentlich auch nicht schwer, ist auch nicht viel.

– Welche Wünsche hast du an die Intzestraße?

Wünsche hab ich nicht wirklich. Das schönste wäre, wenn hier mal wieder Leute übernachten dürfen.

– Fühlst du dich wohl und sicher in der Intzestraße und in deinem Zimmer?

Auf jeden Fall. Ich hab schon das Bedürfnis manchmal, dass ich wieder nach Hause will, aber das würde nichts mehr bringen, denn ich bin bald 17. Und ich hab mich hier eingelebt. Ich fühle mich wohl, deswegen wär’s auch unnötig wieder nach Hause zu gehen. Mein Zimmer ist einer der größten Zimmer plus einen Balkon.

– Was wünschst du dir für deine Zukunft, wenn wir dich ins Leben entlassen?

Hier habe ich jetzt erstmal alles fürs Erste. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich eine Wohnung habe, einen guten Job und eine Familie. Meine Freunde.

– Was wolltest du immer schon mal loswerden?

Nein, ich hab eigentlich immer alles gesagt, was ich empfinde oder denke.

Josi wohnt seit einem halben Jahr in der Wohngruppe Intzestraße. Sie ist sechzehn Jahre alt und macht nächstes Jahr ihren Realschulabschluss. Danach möchte sie ein Abitur machen und Polizistin werden. Bevor sie hier eingezogen ist, hat sie in der AC2 gewohnt, daher kannte sie das Leben in der Wohngruppe schon.

– Du bist jetzt 6 Monate hier. Erinnerst du dich noch an dein Ankommen?

Ja. Ich bin angekommen, mit vielen Klamotten. Und ich hab mich sehr schnell hier eingefunden.

– Was war dein erster Gedanke als du dir die Wohngruppe Intzestraße angeschaut hast?

*überlegt* Bonzenhaus. Und von innen – ja, sympathisch.

– Hast du dich willkommen gefühlt, als du eingezogen bist und bist du gut angekommen?

Ja, sehr sogar. Weil alle so lieb und nett zu mir waren. Nach einer Woche, glaube ich, war ich richtig in der Gruppe drin.

– Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben von deiner ersten Zeit in der Intzestraße?

Das regelmäßige rausgehen mit einer anderen Jugendlichen. Also nicht das abgängig sein, sondern das Rausgehen.

– Was war besonders schön?

 Die Sommerferien. Weil wir als Gruppe was unternommen haben und coole Dinge unternommen haben. Mein Highlight war das Phantasialand.

– Welche Wünsche hast du an die Intzestraße?

Keine Ahnung. Gleichberechtigung. Manche hier aus der Gruppe dürfen mehr als andere. Ich möchte keine Namen nennen, das wäre unfair.
 – Findest du denn, dass die Mitarbeitenden versuchen mit euch ins Gespräch zu gehen und es versuchen es euch allen recht zu machen?
Ja, sie sind bemüht. Sie kriegen es zwar nicht hin. Aber sie sind bemüht.

– Gibt es etwas was du ändern würdest?

Ich weiß nicht. Die Essenszeiten, die würde ich ändern. Ich hab’ auch manchmal nachts Hunger und ich will nachts was essen und dann ist die Küche zu und ich kann dann nicht essen. Und das ist doof, dass man nur von 7 bis 8 Uhr essen kann. Die Küche muss aufbleiben.

– Was wünschst du dir für deine Zukunft, wenn wir dich ins Leben entlassen?

 Dass ich hier ausziehe und euch besuchen komme. Weil ,,nie wiedersehen’‘ hört sich ein bisschen hart an. Also schon vor meinem 18. Geburtstag ausziehen.

– Was wolltest du immer schon mal loswerden?

 Hab ich eigentlich schon, ja, ich hab immer alles gesagt, was mir auf dem Herzen liegt, dann sag ich das immer direkt.

Mir hat es großen Spaß gemacht diese beiden Interviews mit Josi und Leon zu führen. Besonders dankbar bin ich für die Offenheit, das Vertrauen und die Ehrlichkeit, die die beiden mir entgegengebracht haben. Aus den Interviews sind im Anschluss schöne Gespräche entstanden und wir hatten eine gute Zeit.