10. März 2026

„Ein Talent auf dem Weg zur Uni“ – Ein Interview mit Olga

OLGA-KI-Illustration-querOLGA (Name von der Redaktion geändert) ist eine bemerkenswerte junge Frau.
Seit 2019 gehört sie zur Gemeinschaft der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL). Nach ihrer Zeit in der Mädchenwohngruppe Braunsberg lebt die heute 20-Jährige im Sozialpädagogisch Betreuten Wohnen (SBW) und wird dort von Heidrun Neitzel begleitet. Doch Olga sorgt aktuell für besondere Schlagzeilen: Am Bergischen Weiterbildungskolleg in Wuppertal wurde sie für das Talentscouting-Programm der Bergischen Universität Wuppertal nominiert – eine Auszeichnung für ihre außergewöhnliche Begabung und Zielstrebigkeit.

Unser Website-Redakteur Kai Birwer hat sich mit ihr in einem Wermelskirchener Café getroffen, um über ihren Weg, Herausforderungen und Erfolge zu sprechen.

Interviewer (I): Liebe Olga, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Nominierung am Talentscout-Programm! Aber bevor wir über deine berufliche Zukunft sprechen: Wie geht es dir heute ganz persönlich?

Olga (O): Vielen Dank! Mir geht es wirklich gut. Ich bin gerade sehr zufrieden mit der Richtung, in die sich mein Leben entwickelt.

I: Lass uns ein wenig zurückblicken. Dein Start in der Jugendhilfe war sicher nicht einfach. Wie hast du deinen Einzug damals erlebt?

O: Das war ein extrem großer Einschnitt in mein Leben. Plötzlich wohnte ich in der Mädchenwohngruppe Braunsberg, zusammen mit sieben anderen Mädchen, die ich vorher gar nicht kannte. Ich weiß noch, dass ich bestimmt einen Monat gebraucht habe, um überhaupt erst einmal anzukommen und mich an die neue Situation zu gewöhnen.

I: Das ist verständlich. Wurde es nach dieser ersten Phase der Eingewöhnung besser für dich?

O: Ja, absolut. Interessanterweise hat dabei sogar die Pandemie eine Rolle gespielt, die kurz nach meinem Einzug begann. Da wir in der Gruppe sehr eng aufeinanderhingen, bin ich oft in dem großen Waldgebiet direkt vor unserer Haustür spazieren gegangen. Das war mein Rückzugsort. Aber durch diese intensive Zeit, in der man kaum jemanden von außen sehen durfte, sind in der Gruppe echte Freundschaften entstanden. Wir sind zusammengewachsen.

I: Wenn du an die Zeit in der Wohngruppe Braunsberg zurückdenkst – was war dein schönstes Erlebnis dort?

O: Besonders wertvoll fand ich die Trainings-Apartments für die Mädchen, die schon länger dort lebten. Als ich einzog, war ich noch nicht wirklich selbstständig. In diesen Apartments habe ich dann gelernt, zu wirtschaften, zu kochen und meine Termine eigenständig zu planen. Das war ein riesiger Schritt und hat mich perfekt auf das Alleinleben im Sozialpädagogisch Betreuten Wohnen (SBW) vorbereitet.

Dudelsack spielen und Zelten auf den Hebriden

I: Das ist eine positive Entwicklung nach vorne, klasse. Ich habe zudem gehört, dass du ein ziemlich ungewöhnliches Hobby hast, auf das man nicht alle Tage trifft?

O: (lacht) Ja, das stimmt! Ich spiele Dudelsack seit ich acht Jahre alt bin. Meinen Musiklehrer habe ich damals in der „Katt“ in Wermelskirchen getroffen. Ein Teil meiner Familie kommt aus Schottland, und ich war auch schon öfter dort, sogar auf den Hebriden – einer Inselgruppe im Westen Schottlands. Dort habe ich mehrmals für ein paar Wochen gezeltet – das war klasse, aber nichts für schwache Nerven! Regen, Wind und kühle Temperaturen mitten im Sommer.
Die Tradition und der spezielle Sound des Dudelsacks haben mich einfach von Anfang an begeistert.

I: Wow, das ist wirklich ein spitzenmäßiges Hobby für eine junge Frau – Hut ab! Interessiert dich die Musik so sehr, dass du sie später vielleicht sogar beruflich nutzen möchtest?

O: Auf jeden Fall. Mein Traum ist es, Musiktherapeutin oder Soziologin zu werden – am besten beides! Olga lacht.

I: Das passt wunderbar zusammen. Kommen wir zu deiner schulischen Laufbahn: Wie genau sieht die Begabtenförderung aus, für die du ausgewählt wurdest?

Stipendium an der Bergischen Universität Wuppertal

O: Das ist eine Kooperation zwischen dem Bergischen Weiterbildungskolleg und der Bergischen Universität Wuppertal. Meine Lehrerin, Frau Schönstein, hat mich für das Talentscouting vorgeschlagen. Jetzt treffe ich mich mindestens einmal im Monat persönlich mit meiner Talentscoutin. Sie berät mich ganz individuell zu Fachrichtungen und zum Studium.

I: Das klingt nach einer sinnvollen Unterstützung. Gibt es darüber hinaus noch Angebote?

O: Ja, ich kann an verschiedenen Workshops teilnehmen, neue Inhalte lernen und viele interessante Leute kennenlernen. Das ist eine enorme Hilfe für meinen weiteren Weg. Und wenn alles klappt, besteht sogar die Chance auf ein Stipendium für mein Studium in Wuppertal. Das wäre natürlich der absolute Hammer und würde mich riesig freuen.

I: Das hört sich wirklich vielversprechend und positiv an. Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg zum Abitur und für dein späteres Studium. Wir drücken alle fest die Daumen für das Stipendium – verdient hättest du es! Vielen Dank für das offene Gespräch.

O: Ich bedanke mich auch! Ich freue mich sehr auf die Zukunft – und danke für den Kaffee!


Hintergrund: Das Talentscouting der Bergischen Universität Wuppertal

Das Talentscout-Programm der Bergischen Universität Wuppertal unterstützt gezielt junge Menschen, die das Potenzial für ein Studium haben. Diese jungen Erwachsenen kommen in der Regel nicht aus akademischen Haushalten und hoffen eher selten auf einen Studienplatz an einer Universität. Dass Olgas Lehrkräfte sie für das Talentscouting vorgeschlagen haben, unterstreicht ihre beeindruckende schulische und persönliche Entwicklung.