12. Mai 2026

Von Moby Dick gefesselt

Die Jungengruppe Eberhardstraße erlebt modernes Tanztheater

EJBL-Jungen-Wohngruppe-Eberhardstr-Tanztheater-2026-02Ein ungewöhnlicher Abend, eine neue Erfahrung und jede Menge Emotionen: Die Jungengruppe Eberhardstraße der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) wagte den Schritt auf kulturelles Neuland. Gemeinsam besuchten acht Jugendliche und drei Fachkräfte das Teo-Otto-Theater in Remscheid, um das Stück „Leviathan“ der britischen James Wilton Dance Company zu erleben.

Mut zu neuen Horizonten

Die Idee zu diesem besonderen Ausflug entstand durch eine großzügige Geste des Teo-Otto-Theaters, das der EJBL Gutscheine für sein Programm zur Verfügung stellte (Wir berichteten). Während Tanztheater für viele der Jungs zunächst nach einem fernen Universum klang, siegte schließlich die Neugier. Die Gruppe entschied sich bewusst dafür, sich auf das Wagnis einzulassen und eine Kunstform kennenzulernen, die bisher nicht zu ihrem Alltag gehörte.

Akrobatik, die den Atem stocken lässt

„Leviathan“ erzählt die monumentale Geschichte von Kapitän Ahab und seiner Jagd auf den weißen Wal Moby Dick – jedoch ganz ohne Worte, nur durch die Kraft der Bewegung. Die Jugendlichen zeigten sich tief beeindruckt von der körperlichen Präsenz der Darsteller.

Der Jugendliche Ismail fasste das Staunen der Gruppe treffend zusammen:
„Mich hat beeindruckt, dass die Tänzer Bewegungen ausgeführt haben, bei denen sich andere oder auch ich selbst verletzen würden.“

Auch Fabian genoss die Atmosphäre des Hauses:
„Wir haben uns erst einmal mit den großen Räumen vertraut gemacht. Nach dem ersten Akt haben wir auf dem Balkon frische Luft geschnappt und über das Gesehene gesprochen.“

Emotionen hautnah spüren

Für die pädagogischen Fachkräfte und Hauswirtschafterin Marion Junack war besonders spannend zu beobachten, wie die anfängliche Skepsis der Jugendlichen in echte Begeisterung umschlug. Die Ausdrucksstärke der Tänzer – insbesondere der Tänzerin, die den Wal verkörperte – ließ Gefühle wie Aggression, Trauer und Hoffnung im Publikum spürbar werden.

Was als „vielleicht ganz cooles“ Experiment startete, endete in dem klaren Wunsch der Jungs: „Lasst uns das gerne nochmal machen!“

EJBL-Jungen-Wohngruppe-Eberhardstr-Tanztheater-2026-04Ein Abend, der verbindet

Nach dem Applaus im Theater war der Abend noch lange nicht vorbei. Um das Erlebte sacken zu lassen, kehrte die gesamte Gruppe in die gegenüberliegende Bistro-Kneipe „Miro“ ein.

„Der anschließende Besuch in der Bar gemeinsam mit den Betreuern war super“, freute sich Jaydee.

Bei Kaltgetränken und viel Gelächter wurde nicht nur über das Stück diskutiert, sondern vor allem das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Pädagogischer Erfolg auf ganzer Linie

Hinter dem Theaterbesuch steckte mehr als nur Unterhaltung. Im Fokus standen die Stärkung der Gemeinschaft und der Aufbau von gegenseitigem Vertrauen. Durch die „Horizonterweiterung“ und die Auseinandersetzung mit einem völlig neuen Genre konnten die Jugendlichen erfahren, dass es sich lohnt, Vorurteile abzulegen und sich auf unbekannte Situationen einzulassen. Ein Abend, der zeigt: Kultur kann Brücken bauen und den Teamgeist fördern.